Das perfekte Geschenk

„They all have a story“ – Glaskünstler Bertil Vallien

Die Tage in Kosta Boda mit Blick hinter die Kulissen waren richtig spannend! Es war kurz vor den Ferien, so dass in der Glasmanufaktur nicht mehr so viel los war. Aber diese Pause wird genutzt, um einige größere Kunstobjekte zu fertigen. Die brauchen nämlich mehr Zeit zum Kühlen, das ist im normalen Betrieb immer etwas schwierig. Und so hatten wir Glück, dass wir hautnah miterleben konnten, wie einige einzigartigen Kunstobjekte des Glaskünstlers Bertil Vallien hergestellt wurden.

Der begnadete Glaskünstler Bertil Vallien wurde 1939 in dem kleinen Ort Sollentuna nördlich von Stockholm geboren. Zunächst absolvierte er eine Ausbildung im Dekorationsgeschäft seines Vaters bevor er schließlich Keramik an der Kunsthochschule in Stockholm studierte. Von der Porzellankunst gelangt er schließlich zur Glaskunst. Seit 1963 arbeitet Bertil Vallien bereits für die Glashütte Kosta Boda. Bis zu ihrem Tod 2018 war Bertil mit der Künstlerin Ulrica Hydman Vallien verheiratet.

Falls Ihr noch nicht von Bertil Vallien gehört habt, zeige ich Euch mal ein paar seiner Kunstwerke. Wirklich beeindruckend!!! Bertil ist vor allem für seine phänomenalen Boote und auch seine großartigen Köpfe weltweit bekannt. Und so standen auch jetzt mehrere Boote und größere Skulpturen auf dem Programm!

Zunächst mal ein paar fertige Kunstwerke: Immer wieder tauchen Köpfe auf in den Skulpturen von Bertil! Hier ein beeindruckendes Wandgemälde aus der Kosta Boda Art Glas Galerie:

Köpfe, auch in Kombination mit Booten – hier zwei kunstvolle Objekte:

Und ein etwas kleineres Boot – es gibt nicht nur viele verschiedene Varianten, sondern auch verschiedene Größen für die Boote.

Und nun nehme ich Euch mit in die Glashütte, um Bertil bei der Entstehung solcher Kunstwerke über die Schulter zu schauen. Auch in der Glashütte steht eines der kunstvollen Boote:

Auf in die Glashütte!

Noch ist alles ruhig, aber gleich geht es los – so sieht der Arbeitsplatz aus, an dem gleich ein großartiges Kunstwerk entsteht! Eigentlich ein bisschen unspektakulär, aber Glitzer und Glamour passen auch nicht so recht in eine Glashütte 🙂

Dort hatten wir auch die Gelegenheit mit dem Künstler persönlich zu sprechen! Wow, das war super spannend!

Ich wollte natürlich ein bisschen etwas über die Boote wissen. Bertil hat mir verraten, dass er für die Kunstwerke etwas sechs Monate zur Planung braucht – hier wird wirklich jedes Detail genau geplant. Das seht Ihr dann nachher auch bei der Herstellung.

Auf meine Frage, wie er sich die Kunstwerke überlegt, wo kommt welches Detail hin etc. , antwortete Bertil mit den Worten: „They all have a story!“

Jetzt geht es los! Und eine der Stories bekommt jetzt eine glasklare Form!!! Die Boote wurden entsprechend schon vorbereitet, und auch einige Teile liegen schon in der Form:

Das Boot ist da, jetzt kann es losgehen!

Am Anfang gibt es eine Besprechung mit dem ganzen Team bevor es richtig losgeht. Bei so einem Kunstwerk ist präzise Planung angesagt. Beim Glasgießen muss jeder genau wissen, was zu tun ist, alle Materialen müssen bereit stehen.

Das wichtigste Material ist natürlich Glas 😉 Im Ofen ist das flüssige Glas glühend heiß!

Dieser Behälter sieht fast eher aus als wäre er für eine Bausstelle 😉 Aber hier liegen die Schöpfkellen für das Glas bereit und werden in dem Wasser auch immer wieder zwischendurch abgekühlt:

Spannend ist auch dieses mobile Gerät, darin befinden sich die kleinen Objekte, die später in das Kunstwerk eingegossen werden. Damit das wie geplant funktioniert, müssen auch diese Teile ein entsprechend hohe Temperatur haben.

Im dokumentierten Plan steht alles haargenau drin, welches Objekt gehört an welche Stelle.

Die erste Schöpfkelle mit Glas. Parallel immer wieder Bertil, der die Kunstobjekte an der richtigen Stelle positioniert:

Das Glas kommt immer frisch aus dem Ofen. Während eine Schöpfkelle ins die Form gegossen wird, steht schon der nächste Glashandwerker bereit mit der nächsten Kelle. Glas ist ein sehr schwieriges Material, schön zu verarbeiten solange es heiß ist, aber sobald es kalt wird, kann es brechen.

Überstehendes Glas wird einfach vor dem Gießen mit einer Schere abgeschnitten! Sieht ganz simpel aus, erfordert aber die nötige Handwerkskunst.

Glas in die Form gießen, die Objekte positionieren, alles geht Hand in Hand:

Die Schöpfkellen mit flüssigem Glas sind übrigens richtig schwer, so dass die Kelle zum Ausgießen an einem Haken befestigt wird:

Zum Schluss wird noch die Oberfläche behandelt, so dass das Boot dort auch ganz glatt wird!

Ganz schön heiß geht es her bei der Herstellung so eines Kunstwerks! Der Dampf kommt von den heißen Schöpfkellen, die in den Wasserbehälter kommen.

Stefan stand in erster Reihe und hat viele tolle Fotos gemacht, so dass wir Euch auch einen Einblick mitbringen konnten!

Und nach Vollendung eines der Kunstwerke hatte auch Bertil Zeit zum Plaudern 🙂

Die Form mit dem Glas ist so schwer, dass sie mit einem Gabelstapler zum Kühlofen abtransportiert wird. Dabei ist natürlich noch Vorsicht geboten, damit das Kunstwerk das auch heil übersteht.

Last but not least durften wir auch einen Blick in Bertils Atelier werfen. Da waren wir übrigens 2015 schon mal kurz drin (mehr Infos in meinem Blog-Beitrag von damals …).

Von der Glashütte kommt man direkt in Bertils Atelier, die Tür stand jetzt auch offen, weil dort die vorbereiteten Boote auf die Herstellung warteten.

Es war alles ein wenig zur Seite geräumt, damit die großen Boote Platz hatten. Regale mit vorbereiteten Kunstwerken – in der Mitte des Bildes seht Ihr die Boote.

Jede Menge Formen für Boote, kleine Boote, Skulpturen und so weiter:

Formen für Köpfe gibt es natürlich auch in großer Anzahl!

Der Arbeitsbereich mit allerlei Werkzeug und Zubehör:

Und überall auch Kunstwerke, Prototypen und so weiter:

Werkzeug, Kleinkram, alles was so ein Künstler zur Arbeit braucht:

Wirklich spannend so ein Einblick in das Arbeitsleben eines großen Künstlers! Ich freue mich, wenn Euch die Eindrücke und Hintergrund-Infos gefallen haben! Gerne habe ich Euch mit auf diese Reise genommen!

Herzliche Grüße,

Petra

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